Autor: Monika

Werte: unsere Big 5 nach der Reise

Puh! Nach über 3 Monaten auf Reisen braucht das zu Hause anzukommen seine Zeit und dauert auch noch an, muss ich sagen. Hitzewellen, mysteriöse Johnny-Fieber-Phasen und der damit verbundene grenzwertige Schlafmangel haben unseren euphorischen Tatendrang hier und da gebremst aber es hat sich trotzdem schon was bewegt! Man könnte sagen, dass unsere Kompass-Rose langsam aufblüht (Aaaaw ;-)). Ich möchte hier mal 5 unserer Orientierungs-Werte festhalten, die sich während unserer Reisephase herauskristallisiert haben und auch schon gewisse handfeste Konsequenzen nach sich ziehen. 1. Leben auf kleinem Fuß oder „small living“ 3 Monate lang haben wir zu viert aus ein paar wenigen Taschen gelebt. Ich würde behaupten, dass ich alle Kleidungsstücke aus dem Gedächtnis aufzählen kann, die ich in dieser Zeit dabei hatte. Es waren nicht viele aber noch viel wichtiger: ich habe eigentlich nichts vermisst, wenn man von dem Cocktail-Kleid für schicke Gelegenheiten einmal absieht. Das hat etwas mit uns gemacht und man begegnet bei der Rückkehr all dem zu Hause gebliebenen Zeug mit ganz anderer Distanz – man ist noch eher bereit, loszulassen. Wir haben …

Feuer und Flamme

Wir sind wieder in Köln aber es dauert noch eine Woche bis wir wieder in unsere Wohnung können. Das ist ein seltsamer Zustand. Wir sind ungeduldig aber auch voller Vorfreude und Tatendrang. Unsere Reise geht zwar zu Ende aber das fühlt sich an wie ein großer Anfang. Ehrlich gesagt, fiel es mir noch nie so schwer, mich für ein Thema, einen roten Faden für einen Artikel zu entscheiden. Da ist so vieles und doch weiß ich nicht, was jetzt eigentlich dran ist. Also schreibe ich über das Jetzt. Das ist nie verkehrt. Jetzt sitze ich im Wohnzimmer meiner Eltern. Ein Kind schläft schon, das andere muss noch ein bisschen neben der Oma auf der Couch liegen weil es nicht einschlafen kann, nach all dem Reisetrubel. Nachdem wir uns von der Gemeinschaft in Hessen verabschiedet hatten, haben wir die letzten zwei Wochen in Flos alter Heimat in der Nähe von Karlsruhe verbracht und neben Familie und Freunden auch viele Freibäder und Baggerseen besucht. Jedenfalls war auch Zähneputzen heute nicht drin. Alles was ging, war trösten und …

Radreisen mit Kindern – das Alter der Kleinen

Unsere beiden Kinder waren zum Zeitpunkt unserer fünfwöchigen Radreise von Köln nach Eckernförde 5 Monate und 2 Jahre, 9 Monate alt. Oft wurden wir schon gefragt: Würden wir dieses Alter im Nachhinein für eine Radreise empfehlen? Die Antwort ist Jein, natürlich ;-). Unsere Große – knapp drei Jahre alt und Reise-Profi Mit unserer Mause war alles weitgehend unkompliziert. Sie kann sprechen, fast alles essen, schläft durch und das Wichtigste: man kann mit ihr verhandeln. Das ist Gold wert. So muss man eigentlich keine „Angst“ vor ihr haben. Wenn sie nicht gerade total übermüdet oder hungrig ist, findet man mit ihr meistens einen Kompromiss oder kann ihr Dinge oder Ziele schmackhaft machen, sodass sie gerne kooperiert. Unser Eindruck war: in diesem Alter braucht unser Kind vor allem zwei Dinge: 1. Bewegung an der frischen Luft! Wenn wir dafür gesorgt haben, dass sie am Tag und insbesondere vor dem Einstieg in den Anhänger genügend herum toben und turnen konnte, war sie insgesamt ausgeglichen, genoss die (Aus-)Zeit während der Fahrten und schlief auch nachts verdammt gut. Ist zu …

Radreisen mit Kindern – Lehren fürs Familienleben

Unsere Familien-Radreise von unserer Haustür in Köln nach Eckernförde ist jetzt schon über einen Monat her. Durch Gespräche, Fotos gucken und Gedanken fliegen lassen haben sich alle Erlebnisse und Eindrücke dieses besonderen Abenteuers mittlerweile gesetzt. Es wird Zeit, ein paar Erkenntnisse für uns festzuhalten. Ganz allgemein können wir für uns sagen: es war gut, dass wir diese Fahrrad-Reise gemacht haben. Wir mussten sie einfach machen. Wir wollten das erleben. Wir wollten ein Abenteuer haben und an unsere Grenzen kommen weil wir daran glauben, dass solche Erfahrungen sehr wertvoll sein können und nachhaltig in einem wirken. Und so war es auch. Wir sind nicht nur stolz auf die zurück gelegte Strecke sondern auch dankbar für alles, was wir gelernt haben. Selbstfürsorge Eine wichtige Lehre, die wir mitnehmen, ist, dass zwischen entwicklungsfördernder Herausforderung und ungesunder Überforderung ein sehr schmaler und manchmal unsichtbarer Grad verläuft. Durch die Ups and Downs während der Reise ist unsere Wahrnehmung diesbezüglich achtsamer geworden. Unsere inneren Alarmglocken läuten nun zuverlässiger und rechtzeitiger wenn unser Familiensystem droht, in stressbedingte Schieflagen zu gelangen. Wir haben …

Gemeinschaftsleben aufm Dorf

Zum Frühstück hatten wir Eier von den hier lebenden Hühnern. Alena* gab uns morgens Rucola aus dem Garten zum Probieren und Leni lieh sich Milch von uns. Dennis, Martin, Paul und Julius haben wir heute gar nicht gesehen, dafür Tina auf dem Weg zum Supermarkt getroffen. Mit Lines Papa Christian haben wir nachmittags die Mädels bespaßt. Gerade haben wir die Kinder ins Bett gebracht. Flo trinkt unten im Hof ein Bier mit Jean. Anna hat mir gerade noch Socken von Mause reingebracht und ihren Topf abgeholt. Ein ganz gewöhnlicher Tag auf „der Burg“ geht zu Ende. Seit über zwei Wochen sind wir nun hier, auf dem Dreikanthof im hessischen Kreis Vogelsberg, den meine Freundin Leni und ihr Mann Jean vor drei Jahren gekauft haben. Mittlerweile leben hier zehn Erwachsene und vier Kinder. Nach und nach renovieren sie den teilweise über 150 Jahre alten Gebäudekomplex. Es gibt viel zu tun. Vor allem im Garten! Dank dem tief grünen Daumen von Bewohner Julius ist hier ein kleines Permakultur-Paradies entstanden; ein bunter, freier und wilder Gemüse-, Obst- und …

Mut zur Pause

Wir haben unser lang ersehntes Ziel Eckernförde erreicht. 34 Tage, 17 Etappen und 3 Bundesländer haben wir dafür gebraucht. Ein echtes Abenteuer mit allen Aufs und Abs liegt hinter uns. Wir sind glücklich aber auch müde. Sehr sogar. Es ist schon faszinierend, wie die Summe aller Anstrengungen einen dann erst so richtig im Ziel umhaut. Solange wir auf dem Weg waren, erlaubten wir uns es wahrscheinlich einfach nicht, unsere Müdigkeit anzuerkennen. Die Fahne wird gegen die meisten Widerstände hochgehalten und das Ziel wirkt wie ein Magnet, der zu Ende hin auch noch stärker zieht und die Motivation weiter befeuert. Man macht einfach. Als wir am neunten Mai dann schließlich in Eckernförde einrollten, waren wir zunächst euphorisiert vom Anblick des Meeres, posierten in Sieger-Pose für Fotos, für die wir sogar das erste Mal auf der Reise das kleine Stativ auspackten. Das Wetter begrüßte uns eben so warm und herzlich wie unsere Freunde. Wir verliebten uns sofort in deren frisch und stilvoll eingerichtete Wohnung. Gemeinsam stießen wir auf unseren Erfolg an – alles war schön. Und dann …

Oh my God, we’re back again!

Das war das erste, das Flo in den Kopf schoss, als wir letzten Sonntag in Bremen wieder zu unserer ersten reinen Fahrradetappe seit über zwei Wochen starteten. Die Backstreet Boys blieben mir bis zum Ziel im Ohr und die optimistische Laune hält bis heute an. Nach vier Etappen, die wir nun wieder auf unsere Lieblingsart bewältigen durften, hat sich fast schon eine Reiseroutine eingestellt. Es hat sich gezeigt, dass es am besten funktioniert wenn wir den Löwenanteil der Tageskilometer gleich am Anfang und in einem Rutsch schaffen. Wenn man unsere Kleinen um ca. 10:30 Uhr in den Anhänger setzt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie erst gemütlich ein bisschen rumsitzen, -knabbern, -singen und dann bis zu 2 Stunden gemeinsam genüsslich ratzen. Voraussetzung dafür, dass das klappt, ist: Action und Satisfaction am Morgen. Also wenig Fahrtags-Stress und Zeitdruck aufkommen lassen, rausgehen, spielen, toben, müde machen. Dafür eignet sich am besten eine klare Arbeitsteilung: Einer geht nach einem ausgiebigen Frühstück mit Beiden raus, der Andere darf voll konzentriert und effizient herumwirbeln und alles zusammen packen. Das …

Es braucht ein Dorf

Eine Szene: Ich liege alleine im Bett, die durch die orangenen Vorhänge gefilterten Sonnenstrahlen tauchen unser Jugendherbergs-Zimmer in warmes Yogastudio-Licht. Durch das gekippte Fenster höre ich, leicht entfernt, meine Tochter lachen und „Opa, komm!“ rufen. Neben mir dampft mein gerade aufgegossener Kamillentee und ich spüre Frieden und tiefe Entspannung in mir. Das erste Mal seit ich auf unserer Tour krank geworden war. Es ist schon ein bisschen zum Schmunzeln. Als meine Eltern vor der Reise mal äußerten, dass sie uns gerne unterwegs besuchen würden, habe ich erst mal abgewunken und lange Reden geschwungen davon, dass sie mich loslassen müssen und wir unsere Freiheit brauchen weil wir uns ja schließlich finden wollen. Dass ich sie dann schon nach zwei Wochen – ganz krank und klein mit Hut – selbst zu uns rufen würde, hätte ich wirklich nicht gedacht. Auch nicht, dass ich ihre Anwesenheit derart genießen und auch ernsthaft brauchen würde. Gemeinschaft – Ist das was für uns? In den vergangenen paar Tagen ist durch all das ein Thema bei uns präsent geworden, mit dem wir …

Die erste Krise

Eine Woche ist nun seit dem Start unserer Familien-Radreise am Kölner Rheinufer vergangen und schon werden wir auf die Probe gestellt. Seit vier Tagen sitzen wir nun in Münster fest. Es könnte schlimmer sein aber auch sehr viel schöner. Ich gebe es zu: Es war ein Risiko, gesundheitlich noch leicht angeschlagen in die ganze Sache zu starten. Aber ich befand mich nach einer dicken Erkältung auf dem berühmten, verheißungsvollen aufsteigenden Ast und wir hatten nun mal alle Vorbereitungen genau auf unseren Abfahrtstag ausgerichtet. Die Wohnung war schon komplett ausgeräumt, die Unterkünfte bis 10 Tage im Voraus gebucht. Wir wollten einfach unbedingt los. Und mir ging es dann auch täglich besser, bis ich in Haltern am See doch wieder mit dichten Nasennebenhöhlen und schmerzenden Gliedern aufwachte. So ein verdammter Mist. Wir legten unsere bis dato zweite kleine Zugetappe ein und schafften es noch bis Münster in die Ferienwohnung, wo ich dann aber endgültig schlapp machte und mich nur noch ins Bett schmeißen konnte. Und da waren sie auch schon sperrangelweit offen; Tür und Tor für alle …

Beppo ist unser Held

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich […] Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“ Als Kind war „Momo“ von Michael Ende eines meiner Lieblings-Hörspiele. Als ich das Buch vor ein paar Jahren das erste Mal seit langer Zeit als Erwachsene las, war ich fasziniert von der Tiefe dieser Geschichte, die ich als Kind wahrscheinlich nur vage erahnen konnte. Mein Eingangszitat stammt von Momos bestem Freund, Beppo Straßenkehrer. Ich mag ihn. Ich finde, er ist eine wunderbare Mischung aus extrem weise und extrem bescheiden und zurückhaltend. Gleich am ersten Fahrtag von Köln nach Düsseldorf drangen seine Worte aus den Untiefen meines Gedächtnisses zu mir und gaben mir Trost. Denn wir hatten uns verschätzt mit gleich unserer ersten Etappe. In der Hektik der letzten Vorbereitungen haben wir es versäumt, uns die Strecke unseres Starttages ganz genau anzuschauen. Noch ganz euphorisiert von der herzlichen Verabschiedung …