Autor: Monika

Beppo ist unser Held

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich […] Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“ Als Kind war „Momo“ von Michael Ende eines meiner Lieblings-Hörspiele. Als ich das Buch vor ein paar Jahren das erste Mal seit langer Zeit als Erwachsene las, war ich fasziniert von der Tiefe dieser Geschichte, die ich als Kind wahrscheinlich nur vage erahnen konnte. Mein Eingangszitat stammt von Momos bestem Freund, Beppo Straßenkehrer. Ich mag ihn. Ich finde, er ist eine wunderbare Mischung aus extrem weise und extrem bescheiden und zurückhaltend. Gleich am ersten Fahrtag von Köln nach Düsseldorf drangen seine Worte aus den Untiefen meines Gedächtnisses zu mir und gaben mir Trost. Denn wir hatten uns verschätzt mit gleich unserer ersten Etappe. In der Hektik der letzten Vorbereitungen haben wir es versäumt, uns die Strecke unseres Starttages ganz genau anzuschauen. Noch ganz euphorisiert von der herzlichen Verabschiedung …

Es kann losgehen!

„Ich will das nochmal machen, im Schlafsack schlafen in der Jungsherberge…“ – nach Mauses Ermessen war unsere Probetour nach Bonn ein voller Erfolg. Das finden wir auch, obwohl oder gerade weil wir eine DIN A4-Seite wichtiger Erkenntnisse mit nach Hause gebracht haben. Ein Berg in Bonn Die wohl wichtigste ist, dass wir uns bei der Routenplanung nicht nur den Kilometern sondern noch intensiver den Höhenmetern einer Strecke widmen sollten. Rollt unser Tross auf ebenen Wegen fast wie von selbst, wird das Fahren bei der kleinsten Erhebung in der Landschaft zu einer schweißtreibenden Psycho-Grenzerfahrung. Denn wir wissen jetzt: Wir sind schwer. Verdammt schwer. Auch wenn wir minimalistisch gepackt haben sind wir immer noch vier Menschen und zwei davon helfen nicht mit beim Fortbewegen. Wir sind da nicht blauäugig dran gegangen. Unser hohes Gesamtgewicht war überhaupt erst der Grund, warum wir uns als Reise-Himmelsrichtung den Norden ausgesucht haben und nicht, wie man meinen könnte, den tendenziell wetter-freundlicheren Süden. Wir wollten flaches Land zum Dahingleiten. Doch auch im Flachland gibt es mal ein Hügelchen, das auf eine Autobahnbrücke …

Loslassen und leicht werden

Bei einer Familien-Radreise ist es das A und O, alles was man mitnehmen möchte mindestens zehn Mal nach den Kriterien Gewicht und Nutzen zu bewerten. Meine Haare fielen bei beidem durch und mussten heute konsequenterweise ab. Okay, ab ist übertrieben. Schulterlang ist meine neue Reise-Frisur. Natürlich habe ich dadurch nur ein paar Gramm liegen lassen aber, ob man es glauben mag oder nicht, auch ein schwerer Zopf kann belasten und auch nerven weil er nicht gut unter einen Helm passt und das Mikrofaser-Handtuch nach dem Duschen unnötig nass macht. Es war wunderbar heute beim Friseur: wie ein symbolischer Akt, um mich auf das Loslassen und Dalassen einzustimmen. Mit jedem Schnipp wurde ich leichter und als dann noch „Hey Jude“ von den Beatles im Hintergrund lief, überkam mich ein wohliger Schauer der Vorfreude und Zuversicht; „Na-na-na, Nanananaaa…“, wir können alles schaffen, VOLL Bock! Ausmisten vor dem Aufbruch Auf dem Vintage-Friseurstuhl, ohne Baby und Ablenkung aber Zeit zum Nachdenken, wurde mir bewusst, wie präsent das Thema Besitz und Ballast bei uns gerade ist. Einerseits weil wir uns …

Fragen im Gepäck – Teil 2

Wir wollen für unsere zweite und größere Elternzeit-Reise dem „Was-zum-Teufel-machen-wir-hier-eigentlich?“-Phänomen und somit verfrühten Heimreise-Wünschen vorbeugen. Und zwar mit Sinn! Nach unseren Erfahrungen sollte man es sich auf einer Elternzeit-Reise nicht schwerer als nötig machen und darauf achten, dass man auf eine Art und Weise reist, die einen den Baby-Alltag ähnlich komfortabel meistern lässt, wie zu Hause. Zum Beispiel in einer geräumigen Ferienwohnung mit Garten und dem Drogeriemarkt des Vertrauens um die Ecke. Am besten bei bestem Wetter. Wenn man nun aber, so wie wir, etwas abenteuerlustiger und beim Reisen lieber unterwegs ist als an einem Fleck, dann wird das mit dem Komfort ein bisschen schwierig. Da muss dann was anderes her, das einen bei der Stange hält. Und zwar eine Mission! Ein übergeordnetes Ziel, ein Projekt oder eine Idee, die über alle Widrigkeiten und Probleme nicht nur motivational hinweghilft, sondern diese sogar per Definition in die ganze Sache mit einschließt. Ein Beispiel: Vor ein paar Jahren habe ich in Norwegen einen Pilgerweg gemacht und, wie das beim Pilgern nun mal so ist, gab es einen …

Fragen im Gepäck – Teil 1

Wir wollen nicht vier Monate mit dem Rad unterwegs sein, weil wir Langeweile in der Elternzeit haben oder uns eine Neuseeland-Reise nicht leisten wollten. Es geht uns um mehr. Wir haben wichtige Fragen im Gepäck und hoffen auf Antworten am deutsch-dänischen Wegesrand. Ein kleiner Rückblick vorab. Bei der gemeinsamen Elternzeit unseres ersten Kindes haben wir das selbe gedacht, was vielleicht viele Eltern denken, die erstmals seit der Studi-Zeit wieder die Möglichkeit haben, länger als zwei, drei Wochen am Stück zu reisen. Wer weiß, wann sich diese Gelegenheit noch ein mal bietet? Das sollte man unbedingt nutzen, vor allem noch bevor das Kita- oder Schulhamsterrad seine Fänge nach den Kleinen ausfährt. Hauptsache irgendwie verreisen! Wir sind also 2017 genau nach diesem Prinzip an die Sache heran gegangen…und ein bisschen gescheitert. Als frisch gebackene Eltern hatten wir wohl keine andere Wahl, als auf recht holprigem Wege die Kunst des „Reisens mit Kindern“ zu erlernen. Woher sollten wir das vorher auch können? Unbewusst und/oder optimistisch starteten wir unsere Reise so wie ohne Kind, nur mit Kind eben. Wir …

hallo

der große Ausflug: was ist der Plan?

Langsam wird es konkret. Morgen ist der erste März und das bedeutet, wir haben noch ca. einen Monat Zeit für alle Vorbereitungen. Das macht unglaubliche Vorfreude aber auch ein bisschen Angst. Denn: Wir werden einfach nicht fit. Den ganzen Februar schon stecken wir in einem bisher beispiellosen Krankheits-Karussell fest. Immer wenn man glaubte, man sei über den Berg, wurde ein anderes Familien-Mitglied krank oder man selbst feierte ein unerwartetes Comeback auf der Rotzfahnen-Bühne. Ich begreife erst jetzt, was Freunde, die mehrere Kinder haben, wirklich meinten, als sie immer mit Nachdruck sagten: „Das WICHTIGSTE ist, dass alle gesund sind!!“ Ich hab mir dann meinen Teil gedacht und es nicht so ernst genommen, das gebe ich zu. Aber sie hatten ja so was von recht… Ein Nebeneffekt des Krankseins ist, dass an eine Art sportliches Training nicht annähernd zu denken ist. Ich mache mir wirklich Sorgen, ob das gut geht: Ich, die seit ca. April letzten Jahres aufgrund von Schwangerschaft und Wochenbett keinen Ausdauersport mehr gemacht hat, soll in einem Monat ein voll bepacktes Fahrrad nach Eckernförde …