Alle Artikel in: Eine Familien-Radreise

Radreisen mit Kindern – das Alter der Kleinen

Unsere beiden Kinder waren zum Zeitpunkt unserer fünfwöchigen Radreise von Köln nach Eckernförde 5 Monate und 2 Jahre, 9 Monate alt. Oft wurden wir schon gefragt: Würden wir dieses Alter im Nachhinein für eine Radreise empfehlen? Die Antwort ist Jein, natürlich ;-). Unsere Große – knapp drei Jahre alt und Reise-Profi Mit unserer Mause war alles weitgehend unkompliziert. Sie kann sprechen, fast alles essen, schläft durch und das Wichtigste: man kann mit ihr verhandeln. Das ist Gold wert. So muss man eigentlich keine „Angst“ vor ihr haben. Wenn sie nicht gerade total übermüdet oder hungrig ist, findet man mit ihr meistens einen Kompromiss oder kann ihr Dinge oder Ziele schmackhaft machen, sodass sie gerne kooperiert. Unser Eindruck war: in diesem Alter braucht unser Kind vor allem zwei Dinge: 1. Bewegung an der frischen Luft! Wenn wir dafür gesorgt haben, dass sie am Tag und insbesondere vor dem Einstieg in den Anhänger genügend herum toben und turnen konnte, war sie insgesamt ausgeglichen, genoss die (Aus-)Zeit während der Fahrten und schlief auch nachts verdammt gut. Ist zu …

Radreisen mit Kindern – Lehren fürs Familienleben

Unsere Familien-Radreise von unserer Haustür in Köln nach Eckernförde ist jetzt schon über einen Monat her. Durch Gespräche, Fotos gucken und Gedanken fliegen lassen haben sich alle Erlebnisse und Eindrücke dieses besonderen Abenteuers mittlerweile gesetzt. Es wird Zeit, ein paar Erkenntnisse für uns festzuhalten. Ganz allgemein können wir für uns sagen: es war gut, dass wir diese Fahrrad-Reise gemacht haben. Wir mussten sie einfach machen. Wir wollten das erleben. Wir wollten ein Abenteuer haben und an unsere Grenzen kommen weil wir daran glauben, dass solche Erfahrungen sehr wertvoll sein können und nachhaltig in einem wirken. Und so war es auch. Wir sind nicht nur stolz auf die zurück gelegte Strecke sondern auch dankbar für alles, was wir gelernt haben. Selbstfürsorge Eine wichtige Lehre, die wir mitnehmen, ist, dass zwischen entwicklungsfördernder Herausforderung und ungesunder Überforderung ein sehr schmaler und manchmal unsichtbarer Grad verläuft. Durch die Ups and Downs während der Reise ist unsere Wahrnehmung diesbezüglich achtsamer geworden. Unsere inneren Alarmglocken läuten nun zuverlässiger und rechtzeitiger wenn unser Familiensystem droht, in stressbedingte Schieflagen zu gelangen. Wir haben …

Mut zur Pause

Wir haben unser lang ersehntes Ziel Eckernförde erreicht. 34 Tage, 17 Etappen und 3 Bundesländer haben wir dafür gebraucht. Ein echtes Abenteuer mit allen Aufs und Abs liegt hinter uns. Wir sind glücklich aber auch müde. Sehr sogar. Es ist schon faszinierend, wie die Summe aller Anstrengungen einen dann erst so richtig im Ziel umhaut. Solange wir auf dem Weg waren, erlaubten wir uns es wahrscheinlich einfach nicht, unsere Müdigkeit anzuerkennen. Die Fahne wird gegen die meisten Widerstände hochgehalten und das Ziel wirkt wie ein Magnet, der zu Ende hin auch noch stärker zieht und die Motivation weiter befeuert. Man macht einfach. Als wir am neunten Mai dann schließlich in Eckernförde einrollten, waren wir zunächst euphorisiert vom Anblick des Meeres, posierten in Sieger-Pose für Fotos, für die wir sogar das erste Mal auf der Reise das kleine Stativ auspackten. Das Wetter begrüßte uns eben so warm und herzlich wie unsere Freunde. Wir verliebten uns sofort in deren frisch und stilvoll eingerichtete Wohnung. Gemeinsam stießen wir auf unseren Erfolg an – alles war schön. Und dann …

Oh my God, we’re back again!

Das war das erste, das Flo in den Kopf schoss, als wir letzten Sonntag in Bremen wieder zu unserer ersten reinen Fahrradetappe seit über zwei Wochen starteten. Die Backstreet Boys blieben mir bis zum Ziel im Ohr und die optimistische Laune hält bis heute an. Nach vier Etappen, die wir nun wieder auf unsere Lieblingsart bewältigen durften, hat sich fast schon eine Reiseroutine eingestellt. Es hat sich gezeigt, dass es am besten funktioniert wenn wir den Löwenanteil der Tageskilometer gleich am Anfang und in einem Rutsch schaffen. Wenn man unsere Kleinen um ca. 10:30 Uhr in den Anhänger setzt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie erst gemütlich ein bisschen rumsitzen, -knabbern, -singen und dann bis zu 2 Stunden gemeinsam genüsslich ratzen. Voraussetzung dafür, dass das klappt, ist: Action und Satisfaction am Morgen. Also wenig Fahrtags-Stress und Zeitdruck aufkommen lassen, rausgehen, spielen, toben, müde machen. Dafür eignet sich am besten eine klare Arbeitsteilung: Einer geht nach einem ausgiebigen Frühstück mit Beiden raus, der Andere darf voll konzentriert und effizient herumwirbeln und alles zusammen packen. Das …

Es braucht ein Dorf

Eine Szene: Ich liege alleine im Bett, die durch die orangenen Vorhänge gefilterten Sonnenstrahlen tauchen unser Jugendherbergs-Zimmer in warmes Yogastudio-Licht. Durch das gekippte Fenster höre ich, leicht entfernt, meine Tochter lachen und „Opa, komm!“ rufen. Neben mir dampft mein gerade aufgegossener Kamillentee und ich spüre Frieden und tiefe Entspannung in mir. Das erste Mal seit ich auf unserer Tour krank geworden war. Es ist schon ein bisschen zum Schmunzeln. Als meine Eltern vor der Reise mal äußerten, dass sie uns gerne unterwegs besuchen würden, habe ich erst mal abgewunken und lange Reden geschwungen davon, dass sie mich loslassen müssen und wir unsere Freiheit brauchen weil wir uns ja schließlich finden wollen. Dass ich sie dann schon nach zwei Wochen – ganz krank und klein mit Hut – selbst zu uns rufen würde, hätte ich wirklich nicht gedacht. Auch nicht, dass ich ihre Anwesenheit derart genießen und auch ernsthaft brauchen würde. Gemeinschaft – Ist das was für uns? In den vergangenen paar Tagen ist durch all das ein Thema bei uns präsent geworden, mit dem wir …

Die erste Krise

Eine Woche ist nun seit dem Start unserer Familien-Radreise am Kölner Rheinufer vergangen und schon werden wir auf die Probe gestellt. Seit vier Tagen sitzen wir nun in Münster fest. Es könnte schlimmer sein aber auch sehr viel schöner. Ich gebe es zu: Es war ein Risiko, gesundheitlich noch leicht angeschlagen in die ganze Sache zu starten. Aber ich befand mich nach einer dicken Erkältung auf dem berühmten, verheißungsvollen aufsteigenden Ast und wir hatten nun mal alle Vorbereitungen genau auf unseren Abfahrtstag ausgerichtet. Die Wohnung war schon komplett ausgeräumt, die Unterkünfte bis 10 Tage im Voraus gebucht. Wir wollten einfach unbedingt los. Und mir ging es dann auch täglich besser, bis ich in Haltern am See doch wieder mit dichten Nasennebenhöhlen und schmerzenden Gliedern aufwachte. So ein verdammter Mist. Wir legten unsere bis dato zweite kleine Zugetappe ein und schafften es noch bis Münster in die Ferienwohnung, wo ich dann aber endgültig schlapp machte und mich nur noch ins Bett schmeißen konnte. Und da waren sie auch schon sperrangelweit offen; Tür und Tor für alle …

Beppo ist unser Held

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich […] Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“ Als Kind war „Momo“ von Michael Ende eines meiner Lieblings-Hörspiele. Als ich das Buch vor ein paar Jahren das erste Mal seit langer Zeit als Erwachsene las, war ich fasziniert von der Tiefe dieser Geschichte, die ich als Kind wahrscheinlich nur vage erahnen konnte. Mein Eingangszitat stammt von Momos bestem Freund, Beppo Straßenkehrer. Ich mag ihn. Ich finde, er ist eine wunderbare Mischung aus extrem weise und extrem bescheiden und zurückhaltend. Gleich am ersten Fahrtag von Köln nach Düsseldorf drangen seine Worte aus den Untiefen meines Gedächtnisses zu mir und gaben mir Trost. Denn wir hatten uns verschätzt mit gleich unserer ersten Etappe. In der Hektik der letzten Vorbereitungen haben wir es versäumt, uns die Strecke unseres Starttages ganz genau anzuschauen. Noch ganz euphorisiert von der herzlichen Verabschiedung …

Es kann losgehen!

„Ich will das nochmal machen, im Schlafsack schlafen in der Jungsherberge…“ – nach Mauses Ermessen war unsere Probetour nach Bonn ein voller Erfolg. Das finden wir auch, obwohl oder gerade weil wir eine DIN A4-Seite wichtiger Erkenntnisse mit nach Hause gebracht haben. Ein Berg in Bonn Die wohl wichtigste ist, dass wir uns bei der Routenplanung nicht nur den Kilometern sondern noch intensiver den Höhenmetern einer Strecke widmen sollten. Rollt unser Tross auf ebenen Wegen fast wie von selbst, wird das Fahren bei der kleinsten Erhebung in der Landschaft zu einer schweißtreibenden Psycho-Grenzerfahrung. Denn wir wissen jetzt: Wir sind schwer. Verdammt schwer. Auch wenn wir minimalistisch gepackt haben sind wir immer noch vier Menschen und zwei davon helfen nicht mit beim Fortbewegen. Wir sind da nicht blauäugig dran gegangen. Unser hohes Gesamtgewicht war überhaupt erst der Grund, warum wir uns als Reise-Himmelsrichtung den Norden ausgesucht haben und nicht, wie man meinen könnte, den tendenziell wetter-freundlicheren Süden. Wir wollten flaches Land zum Dahingleiten. Doch auch im Flachland gibt es mal ein Hügelchen, das auf eine Autobahnbrücke …

Loslassen und leicht werden

Bei einer Familien-Radreise ist es das A und O, alles was man mitnehmen möchte mindestens zehn Mal nach den Kriterien Gewicht und Nutzen zu bewerten. Meine Haare fielen bei beidem durch und mussten heute konsequenterweise ab. Okay, ab ist übertrieben. Schulterlang ist meine neue Reise-Frisur. Natürlich habe ich dadurch nur ein paar Gramm liegen lassen aber, ob man es glauben mag oder nicht, auch ein schwerer Zopf kann belasten und auch nerven weil er nicht gut unter einen Helm passt und das Mikrofaser-Handtuch nach dem Duschen unnötig nass macht. Es war wunderbar heute beim Friseur: wie ein symbolischer Akt, um mich auf das Loslassen und Dalassen einzustimmen. Mit jedem Schnipp wurde ich leichter und als dann noch „Hey Jude“ von den Beatles im Hintergrund lief, überkam mich ein wohliger Schauer der Vorfreude und Zuversicht; „Na-na-na, Nanananaaa…“, wir können alles schaffen, VOLL Bock! Ausmisten vor dem Aufbruch Auf dem Vintage-Friseurstuhl, ohne Baby und Ablenkung aber Zeit zum Nachdenken, wurde mir bewusst, wie präsent das Thema Besitz und Ballast bei uns gerade ist. Einerseits weil wir uns …

Fragen im Gepäck – Teil 2

Wir wollen für unsere zweite und größere Elternzeit-Reise dem „Was-zum-Teufel-machen-wir-hier-eigentlich?“-Phänomen und somit verfrühten Heimreise-Wünschen vorbeugen. Und zwar mit Sinn! Nach unseren Erfahrungen sollte man es sich auf einer Elternzeit-Reise nicht schwerer als nötig machen und darauf achten, dass man auf eine Art und Weise reist, die einen den Baby-Alltag ähnlich komfortabel meistern lässt, wie zu Hause. Zum Beispiel in einer geräumigen Ferienwohnung mit Garten und dem Drogeriemarkt des Vertrauens um die Ecke. Am besten bei bestem Wetter. Wenn man nun aber, so wie wir, etwas abenteuerlustiger und beim Reisen lieber unterwegs ist als an einem Fleck, dann wird das mit dem Komfort ein bisschen schwierig. Da muss dann was anderes her, das einen bei der Stange hält. Und zwar eine Mission! Ein übergeordnetes Ziel, ein Projekt oder eine Idee, die über alle Widrigkeiten und Probleme nicht nur motivational hinweghilft, sondern diese sogar per Definition in die ganze Sache mit einschließt. Ein Beispiel: Vor ein paar Jahren habe ich in Norwegen einen Pilgerweg gemacht und, wie das beim Pilgern nun mal so ist, gab es einen …