Elternzeiten
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Feuer und Flamme

Wir sind wieder in Köln aber es dauert noch eine Woche bis wir wieder in unsere Wohnung können. Das ist ein seltsamer Zustand. Wir sind ungeduldig aber auch voller Vorfreude und Tatendrang. Unsere Reise geht zwar zu Ende aber das fühlt sich an wie ein großer Anfang.

Ehrlich gesagt, fiel es mir noch nie so schwer, mich für ein Thema, einen roten Faden für einen Artikel zu entscheiden. Da ist so vieles und doch weiß ich nicht, was jetzt eigentlich dran ist. Also schreibe ich über das Jetzt. Das ist nie verkehrt. Jetzt sitze ich im Wohnzimmer meiner Eltern. Ein Kind schläft schon, das andere muss noch ein bisschen neben der Oma auf der Couch liegen weil es nicht einschlafen kann, nach all dem Reisetrubel. Nachdem wir uns von der Gemeinschaft in Hessen verabschiedet hatten, haben wir die letzten zwei Wochen in Flos alter Heimat in der Nähe von Karlsruhe verbracht und neben Familie und Freunden auch viele Freibäder und Baggerseen besucht. Jedenfalls war auch Zähneputzen heute nicht drin. Alles was ging, war trösten und kuscheln. Heute bin ich da sanft und verständnisvoll, drücke beide Augen zu. Für uns alle ist ein Ortswechsel immer erst ein kleiner Ausnahmezustand und außerdem habe ich meine Tochter einfach vermisst. Ich war schon vor zwei Tagen mit Johnny mit dem Zug angereist und heute kamen Flo und Mause mit dem Auto und all unserem Gepäck nach. So „lange“ war ich schon ewig nicht mehr von ihr getrennt.

Camping light

Ab Montag werden wir auf einem Kölner Campingplatz wohnen, für fünf Nächte. Wir freuen uns, endlich unser Zelt auszuprobieren, das wir uns schon nach Eckernförde hatten schicken lassen. Auch unsere Schlafsäcke und Isomatten werden wir nun erstmals richtig nutzen. Im Nachhinein muss ich Schmunzeln über unsere ursprüngliche Idee, im Rahmen der Radreise mehrere Wochen im Zelt zu leben. Wir hatten sogar geplant, uns mit einem Gaskocher selber zu versorgen. Ha! Das wäre eine ganz andere Hausnummer (oder Zeltnummer ;-)) gewesen. Jetzt machen wir quasi Camping light, immer mit der Option im Hinterkopf, dass ich mit Johnny oder auch wir alle bei Bedarf bei meinen Eltern pennen können, die nur ein paar Kilometerchen entfernt leben. So ist auch für unser Mittagessen und punktuelle Kinderbetreuung gesorgt. Wir machen es uns jetzt leicht und stehen dazu. Dieses Zelten fühlt sich an wie ein kleiner, verrückter Epilog unserer Reise.

Wieder da

Ein symbolischer Übergang

Neben dem Campingplatz, am Rodenkirchener Rheinufer gibt es eine Grill- und Feuerstelle, wo ich schon als Jugendliche am Wochenende oder in den Ferien lustige oder auch mal pubertär-dramatische Abende verbrachte. Dort wollen wir zum Abschluss ein kleines Feuer machen. Als Übergangs-Zeremonie, wenn man so will. Ist das übertrieben? Vielleicht. Aber wir haben einfach Lust darauf. In der Gemeinschaft in Hessen haben wir unsere Freude am Lagerfeuer wiederentdeckt und finden, dass es kaum eine stimmungsvollere und entspanntere Szenerie gibt, als an einem lauen Sommerabend um ein Feuer herum zu sitzen, zu quatschen oder auch nur gemeinsam schweigend und nachdenklich in die Flammen hinein zu träumen. Feuer hat einfach eine starke Symbolkraft und eignet sich hervorragend für uns, um tschüss und danke zu dem zu sagen, was war und sich bereit zu machen für das, was kommt.

Und was kommt jetzt?

Nun, über die vielen Wochen ist einiges passiert. Auch in uns. Unsere große Frage „Wie wollen wir Leben?“ ist immer mitgereist, auch wenn wir sie vor lauter „Hier und Jetzt“- Aufmerksamkeitsmagneten (z.B. Kinder, haha) nicht immer aktiv angehen konnten. Das Schöne ist; wenn man die Frage wirklich dabei hat, sich nur ab und zu daran erinnert, ist das gar nicht zwingend notwendig, haben wir festgestellt. Irgendwann hat sich immer dieser eine, schöne Moment ergeben, wo sich unerwartet Zeit und Raum auftaten und ein gutes Gespräch entstand, indem klar wurde, dass die Frage in uns ganz von alleine gearbeitet hat und die Antworten sich jetzt langsam aber sicher, ganz klar und leuchtend vor uns legen. Das konnte flüsternd beim abendlichen Zähneputzen sein oder auch während eines Sonnenuntergangs-Spaziergangs über Hügel und Felder, den Flos Mutter uns ermöglichte weil sie das Babyfone für uns im Auge behielt.

Noch sind es mehrere, lose Stichpunkte und Themen, die da vor uns liegen, von denen wir aber sicher wissen, dass sie die Bauteile für eine Art gemeinsamen Lebens-Kompass sind. Was jetzt noch fehlt, ist das Zusammenbauen und in Betrieb nehmen, um dann schließlich auch losziehen zu können in „unsere“ Richtung. Ich werde berichten!

HIER geht’s zum nächsten und letzten Artikel der Reise-Phase: Werte: unsere Big 5 nach der Reise

Fotos von oben nach unten: Obed Hernandez on Unsplash, Eric Weber on Unsplash, Jordan Madrid on Unsplash

6 Kommentare

  1. Hallo!
    Wie schön dass ihr wieder da seid 🙂
    Vielleicht Lust auf einen gemeinsamen Spielplatzbesuch oder Zoo, solange wir noch frei haben? Die letzten beiden Juli Wochen sind wir noch sehr flexibel!
    LG, Anna

    • Monika sagt

      Hallo zurück :-)! Wir finden es auch sehr schön, wieder da zu sein – wirklich.
      Ein Treffen wäre schön – ich melde mich bald!
      Liebe Grüße, Moni

    • Monika sagt

      Ja, das ist sehr gut zu wissen! Wir werden definitiv darauf zurück kommen und euch ausgiebig „belagern“ 😛

  2. Simon sagt

    Wow! Das war ein wirklich spannender Trip, den ihr da hingelegt habt! Ich wünsche euch, dass ihr ebenso erfolgreiche Baumeister sein werdet und euer Kompass euch verlässlich den Weg in die Zukunft zeigen wird. Drücke die Daumen und liebe Grüße an Florinho!

    • Monika sagt

      OH NAAIN! Ich habe gerade mit Erschrecken festgestellt, dass (wahrscheinlich durch einen technischen, nicht menschlichen! Fehler) meine damalige Antwort auf deinen Kommentar, lieber Simon, nicht erschienen ist! Bitte entschuldige…
      Also: besser spät, als nie: Vielen Dank! 🙂
      Liebste Grüße, auch und insbesondere von Florinho!

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